Aktuell

15 Jahre Standort Nieder-Olm

Vor 15 Jahren begann eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält: Anfang Mai 2002 eröffnete die damalige WFB Fertigung & Service (heute in.betrieb gGmbH) mit Hauptsitz in Mainz ihren neu errichteten Standort Nieder-Olm. Am 4. Mai 2017 wurde dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Auch der Stadtbürgermeister von Nieder-Olm Dieter Kuhl nahm an dieser Feierlichkeit teil und sprach seine Glückwünsche aus. 

In dem Gebäude am Neuberg, das sich durch offene Architektur und ansprechende Raumatmosphäre auszeichnet, finden rund 240 Menschen mit geistiger Behinderung vielfältige Arbeits- und Qualifizierungsmöglichkeiten.

Mit den modernen Werkstätten konnte die damalige WFB ihr Angebot deutlich stärken und erweitern. In der Großwäscherei, der Metall- und Holzbearbeitung und weiteren Werkstätten erbringen Menschen mit Behinderung begehrte Dienstleistungen für Unternehmen. Die Autowaschanlage mit Fahrzeugpflege per Hand ist bei Privatleuten, Unternehmen und Verwaltungen so begehrt, dass Termine lange im Voraus gebucht werden müssen.

Eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Sozialunternehmens spielt der Berufsbildungsbereich, der zum größten Teil in Nieder-Olm angesiedelt ist. In großzügigen, zeitgemäß ausgestatteten Räumen und Lehrwerkstätten profitieren Schulabgänger*innen von einer passgenauen Vorbereitung für die Berufswelt.

Die Entwicklung der Werkstatt für behinderte Menschen hin zu einem vielseitigen Bildungsunternehmen wird in Nieder-Olm deutlich sichtbar. Innovative Angebote wie die IHK-zertifizierte Qualifizierung „Praktiker*in in sozialen Einrichtungen“ ermöglichen den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Staatssekretärin Daniela Schmitt (MWVLW) im Gespräch über die Rolle der Werkstatt für die Wirtschaft

Am Montag, 10. April 2017, besuchte Staatssekretärin Daniela Schmitt vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau die in.betrieb gGmbH. Im Werkstatt-Bereich informierte sie sich über die Dienstleistungen, die Menschen mit Behinderung dort erbringen. 

In einer anschließenden Gesprächsrunde ging es unter anderem darum, was die Digitalisierung der Wirtschaft für die Werkstätten bedeutet. Wie können einfache Arbeiten, auf die Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf qualifiziert werden, erhalten bleiben? Wie kann eine Werkstatt für behinderte Menschen, die sich wie in.betrieb u.a. auf Einfacharbeitsplätze spezialisiert hat, der Verlagerung solcher Arbeiten auf Roboter entgegenwirken? „Die Digitalisierung birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Die Menschen, die bei uns arbeiten, dürfen deshalb von der Politik nicht vergessen werden“, erklärt in.betrieb-Geschäftsführer Michael Huber. „Umso mehr freuen wir uns über das Interesse von Staatssekretärin Schmitt an diesem Thema.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Gesprächsrunde waren die Chancen für Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das Budget für Arbeit beispielsweise soll die Teilhabe am Arbeitsleben erleichtern, auch für Arbeitgeber*innen: Bei der Einstellung von Werkstattbeschäftigten erhalten diese einen nicht unerheblichen Lohnkostenzuschuss. Praktikumsplätze sind ebenfalls ein idealer Einstieg in den Arbeitsmarkt. Arbeitgeber*innen werden dabei von den Integrationsfachleuten von in.betrieb unterstützt, was nach wie vor nicht ausreichend bekannt ist. Auch hierfür sensibilisierte Michael Huber die Staatssekretärin.

 

Bundestagskandidat Dr. Carsten Kühl auf Informationstour durch die in.betrieb

Am Freitag, 7. April 2017, informierte sich Dr. Carsten Kühl, SPD-Bundestagskandidat für die Stadt Mainz und den Landkreis Mainz-Bingen, über die Arbeit der in.betrieb.

Bei einem Rundgang legte er besonderes Augenmerk auf die seit zwei Jahren bestehende „Liebelle – Beratungs-, Forschungs- und Bildungsstelle für Sexualität und geistige Behinderung“. Thematisiert wurden neben den Beratungsangeboten und der Forschungs- und Bildungstätigkeit auch die Anschlussfinanzierung nach Ablauf des Aktion Mensch-geförderten Projektes.

Auch die Aktenvernichtung und die Tagesförderstätte wurden im Anschluss besucht.

Feierliche Übergabe der Zertifikate im Berufsbildungsbereich der in.betrieb

Am Dienstag, 4. April 2017, verlieh die in.betrieb gGmbH in ihren Räumen in Nieder-Olm 14 Teilnehmer*innen des Berufsbildungsbereichs ein Zertifikat zum Abschluss ihrer 27-monatigen Qualifizierungszeit. Im Anschluss an die ausbildungsähnliche Qualifizierung sind sie fit für die Arbeitswelt.

In Rheinland-Pfalz gibt es seit 2014 für Absolvent*innen der Beruflichen Bildung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung Zertifikate zum Abschluss ihrer Berufsbildungszeit. Sie vermitteln den Teilnehmer*innen einerseits Anerkennung für ihre große Leistung. Zum anderen informieren die Zertifikate potenzielle Arbeitgeber über die erworbenen Qualifikationen. Damit fördern sie den Einstieg in ein geregeltes Arbeitsleben der Absolvent*innen  –  teils auch auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Zu Beginn der 27 Monate im Berufsbildungsbereich bei in.betrieb wird der Berufswunsch der Teilnehmer*innen ermittelt. Nachdem die Berufsfelder feststehen, gibt es verschiedene Optionen: Entweder sie werden praxisnah für die Arbeit in der Werkstatt ausgebildet oder bei besonderer Eignung gleich am ausgewählten Arbeitsplatz in der Werkstatt als Arbeitskraft eingesetzt. Das Angebot reicht vom Einsatz in der Küche, über die Aktenvernichtung oder Schreinerei, bis hin zur Autowaschanlage. Vor Ort absolvieren sie dort ihre Qualifizierungszeit. Auch arbeiten geeignete Teilnehmer*innen direkt in Außenarbeitsplätzen des ersten Arbeitsmarktes. Die Integrationsassistenz als Bildungsbegleiter von in.betrieb besucht und betreut sie dabei regelmäßig.

Neben der praktischen Erfahrung werden sie alle zwei Wochen ähnlich eines Berufsschultags in der Theorie unterrichtet. Daneben gibt es zwei bis drei Modulschulungen zu den entsprechenden Berufsfeldern. Vier individuell festgelegte Praktika in anderen Arbeitsbereichen stellen eine optimale Orientierung aller Teilnehmenden in der Berufswahl sicher.

 

in.betrieb als Aussteller auf der Werkstätten:Messe in Nürnberg

Vom 29. März bis 1. April 2017 fand in Nürnberg die Werkstätten:Messe statt. Da Rheinland-Pfalz in diesem Jahr im Fokus stand, haben sich dort viele Einrichtungen des Bundeslandes getroffen und ihr Angebot vorgestellt. Daneben gab es zahlreiche Fachvorträge zu aktuellen Entwicklungen im Werkstatt- und Qualifizierungsbereich.

Wir informierten an unserem Stand über unsere vollzogene Namensänderung, boten Keramik-Osterartikel sowie zum Verkauf an und stellten die Liebelle als Beratungs-, Bildungs– und Forschungsstätte vor. Zudem gab es einen Fachvortrag von Petra Hauschild, Bereichsleitung Arbeit und Sozialdienst, bei dem die Liebelle auch auf diesem Wege vorgestellt werden konnte. Das Interesse war groß.

Zum Abschluss der Messe sorgte die eab1-Band am Samstag für musikalisches Rahmenprogramm und jede Menge gute Stimmung.

Zwei Jahre Frauenbeauftragte bei in.betrieb

Was das Bundesteilhabegesetz seit Anfang 2017 vorschreibt, ist bei in.betrieb schon seit zwei Jahren fester Bestandteil der Unternehmenskultur: Am 4. März 2015 wurden zwei Frauenbeauftragte in den Werkstätten für behinderte Menschen ernannt.

Ruth Sartor und Silke Köchling, beide Beschäftigte der Werkstätten, hatten sich sofort um die ehrenamtliche Aufgabe beworben. In den ersten Monaten arbeiteten sie sich zunächst in die Thematik ein, u.a. in Ausbildungsgängen bei Weibernetz e.V. und dem Zentrum für selbstbstimmtes Leben (ZSL).
Bei in.betrieb werden die Frauenbeauftragten von Michéle Nagel, Assistentin der Bereichsleitung Arbeit und Sozialdienst, unterstützt. Sie hilft ihnen beim Schreiben von Texten und der Vor- und Nachbereitung ihrer Arbeit. Zusammen reflektieren die drei Frauen die Arbeit der Frauenbeauftragten, und Nagel hilft mit Informationen, wenn Sartor und Köchling einmal nicht weiter wissen.

Wichtigste Aufgabe in der Anfangsphase war, ein Bewusstsein unter den Beschäftigten für das spezielle Angebot zu schaffen. Dazu wurde ein regelmäßiges Treffen, genannt Frauencafé, eingerichtet. Es findet großen Zuspruch, die Frauen kommen aus allen Bereichen der Werkstatt. Sie lernen die Arbeit der Frauenbeauftragten kennen und treffen Kolleginnen, zu denen sie im Berufsalltag wenig oder gar keinen Kontakt haben.
„Wir arbeiten viel mit Beispielen“, erklärt Ruth Sartor. „Die meisten Frauen hier wissen vorher nicht, um welche besonderen Probleme wir uns kümmern. Aber dann fallen ihnen gleich viele Dinge ein, die sie besprechen wollen.“ Ärger im Umgang mit Kollegen, Stress mit dem Partner, Einsamkeit, der Wunsch nach der Betreuung durch eine Frau – die Anliegen sind vielfältig.

Das Beratungsangebot bei in.betrieb sei an sich sehr gut ausgebaut, betont Michéle Nagel, gehört es doch zu den Kernaufgaben einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Der große Unterschied jedoch bestehe darin, dass die Frauenbeauftragten aus der Mitte der Beschäftigten stammen. „Wir haben hier eine Beratungssituation unter behinderten Menschen, während wir im regulären Angeot immer die Situation ‚Fachkraft berät Menschen mit Behinderung’ haben.“

Ruth Sartor und Silke Köchling gehen jeder Anfrage und Bitte um Unterstützung nach – egal, ob das Anliegen privater oder beruflicher Natur ist, und unabhängig davon, ob es frauenspezifisch ist. „Die Funktion ‚Frauenbeauftrage’ ist bei uns auch ein Bildungsthema“, zieht Michéle Nagel Bilanz. „Je mehr Frauen mit Behinderung über ihre Rechte lernen, desto selbstbewusster werden sie und desto besser können sie sich selbst für ihre Belange einsetzen – und das ist ein wichtiges Ziel für eine Frauenbeauftragte.“

Petra Hauschild, Bereichsleiterin Arbeit und Sozialdienst, begrüßt es, dass Frauenbeauftragte in den Werkstätten nun vorgeschrieben sind. Sie hofft, in Zukunft Frauenbeauftragte untereinander zu vernetzen, damit sie vom Erfahrungsaustausch profitieren können.